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Hand aufs Herz: Was halten Sie von diesem Keyboard

Hel­mut Wolf­ram: Hand aufs Her­z: Was hal­ten Sie von die­sem Key­board? Ar­ti­kel aus P.M. Com­pu­ter­heft 8/1985, Sei­te 38 bis 42

Ori­gi­nal Scan (400d­pi)

Die Skandalchronik der Tastatur

Hand aufs Herz: Was halten Sie von diesem Keyboard?

Aufmacherbild: Abbildung der ergonomischen Tastatur nach E.Meier

Fast je­der hat schon ein­mal mehr oder we­ni­ger flink in die Tas­ten ge­grif­fen. Aber nur we­ni­ge ha­ben sich Ge­dan­ken dar­über ge­macht, war­um die Buch­sta­ben auf un­se­rer Schreib­ma­schi­nen­ta­s­ta­tur so un­ver­ständ­lich an­ge­ord­net sin­d. Die meis­tern­den­ken sich: »Es wird schon einen Sinn ha­ben­.«, Hat es auch  — aber nicht für un­s. LE­sen Sie, war­um das Key­board trotz­dem nicht ver­bes­sert wird.

[ fehlt noch der Text der  zwei­ten Sei­te ]

Tastatur: Eigentlich ein Vehikel mit angezogenen Bremsen

trie­ben ne­ga­tiv hal­ten: So ähn­lich ent­stand die Ta­s­ta­tur, auf der wir uns seit Ge­ne­ra­ti­o­nen her­um älen. Das ei­gent­li­che Übel pas­sier­te näm­lich schon vor 118 Jah­ren! Da­mals grü­bel­te in Ame­ri­ka ge­ra­de ein ge­wis­ser Chri­s­to­pher L. Sho­les über dem ers­ten Mo­dell ei­nes »Ty­pe­-­Wri­ter­s«. Sein größ­tes Pro­blem: Wenn er die Tas­ten zu schnell an­schlug, hat­te der zu­letzt be­rühr­te Ty­pen­he­bel nicht ge­nü­gend Zeit zu­rück­zu­fal­len, be­vor der nächs­te hoch­kam. Das Re­sul­tat: He­bel­sa­lat.

Aber Sho­les war ein ein­falls­rei­cher Mann. Er stu­dier­te die Häu­fig­keit und Fol­ge der Buch­sta­ben in den meist­ge brauch­ten eng­li­schen Wör­tern und ver­wür­fel­te nun die An­ord­nung der Buch­sta­ben auf dem Tas­ten­feld so kon­fus ge­gen­ein­an­der, daß man ein­fach nicht schnel­ler tip­pen konn­te, als es sei­ne Kons­ti­on zuließ: Et­wa zehn Wör­ter pro Mi­nu­te.

Wie man sich an einem Anachronismus festgebissen hat

Das war da­mals — wie man heu­te sa­gen wür­de — echt »be­nut­zer­freund­lich«: Lang­sam, aber oh­ne Stö­run­gen tip­pen war zwei­fel­los weit­aus an­ge­neh­mer, als durch zu schnel­les Tip­pen stän­dig den Me­cha­nis­mus zu ver­sper­ren.

Nicht we­ni­ger eh­ren­wert wa­ren aber auch die Mo­ti­ve der näcs­ten Fa­bri­kan­ten: Soll­te et­wa je­der sei­ne Kun­den durch ein an­de­res, ei­ge­nes Tas­ten­feld ver­wir­ren? Nun hieß die obers­te Rei­he ein­mal QWER­TYUIOP, und so soll­te sie auch blei­ben.

Als die Deut­schen dann die­ses ori­gi­nal eng­li­sche Tas­ten­feld über­nah­men, tausch­ten sie nur die Plät­ze von Y und Z, häng­ten rechts über den Satz­zei­chen ih­re drei Um­lau­te Ö, Ä und Ü an, such­ten noch ein Plätz­chen für ihr ß und er­klär ten den Rest ein­fach zum »in­ter­na­ti­o­na­len Stan­dard« (von dem die meis­ten so­wie­so nicht mehr wuß­ten, wie er über­haupt ent­stan­den wa­r).

Und da­bei blieb es — bis zum heu­ti­gen Tag: Noch im­mer tip­pen Mil­li­o­nen Men­schen täg­lich Mil­li­ar­den von Zei­chen — in im­mer kost­ba­rer wer­den­der Zeit, mit Blin­d- und Touch­-­ty­ping, elek trisch und elek­tro­nisch — auf ei­nem Tas­ten­feld, das einst ge­zielt er­fun­den wur­de, um das zü­gi­ge Schrei­ben zu er­schwe­ren!

Na­tür­lich wur­den in­zwi­schen bes­se­re Ta­s­ta­tu­ren ent­wi­ckel­t: so von Dvo­r­äk in den USA oder Le­vas­seur und H. Mey­er in Deut­sch­lan­d. Ver­gleichs­tests be­wie­sen, daß man sie in der hal­b­en Zeit er­lernt und schreibt (bei we­ni­ger Er­mü­dung und we­ni­ger Feh­lern). War­um wer den sie dann nicht be­nutz­t?

Die Ant­wort dar­auf soll­ten Sie Schritt für Schritt ver­fol­gen — denn sie gilt ganz ähn­lich für un­zäh­li­ge an­de­re Un­ge­reimt­hei­ten rund um den Com­pu­ter, die Sie viel­leicht schon oft zur Ver­zweif­lung ge­bracht ha­ben.

Zur Zeit muß man ja — wohl oder übel — die QWERT­ZUIOP­-­An­ord­nung be herr­schen, wenn man über­haupt ma­schi­ne­schrei­ben will. Ge­ra­de das wür­de man je­doch auf ei­ner — viel be­que­me­ren — » Re­for­m­-­Ta­s­ta­tur« zwangs­läu­fig nach we­ni­gen Wo­chen ver­ler­nen. Aber wer möch­te das ris­kie­ren, so­lan­ge über­all noch QWERRT­ZUI­OPs ste­hen? Könn­te et­wa ei­ne Fir­ma bei sich ei­ne an­de­re Ta­s­ta­tur ein­füh­ren — und da­durch all ih­re Schreib­kräf­te im üb­ri­gen Ar­beits­markt »be­rufs­un­fä­hig« ma­chen?

Wenn die­se Re­for­m­-­Ta­s­ta­tur aber nie­mand ein­füh­ren wür­de — wel­cher Her­stel­ler dürf­te da Ar­beits­plät­ze ris­kie­ren, in­dem er un­ver­käul­li­che »Re­for­m- Schreib­ma­schi­nen­&l­qquo; pro­du­ziert statt der schlech­teren, aber ein­ge­führ­ten? Wenn aber nie­mand an­de­re Ta­s­ta­tu­ren pro­du­ziert — was kön­nen dann Leh­rer und Schu­len künf­ti­gen Com­puter­be­nut­zern bei­brin­gen? Wo­mit sich ein Teu­fels­kreis schließt.

Das war al­so der Auf­takt zur Ent­ste­hung des Kern­stücks Ih­rer Com­pu­ter­-­Ta­s­ta­tur. Sie fah­ren im­mer noch mit vor 118 Jah­ren an­ge­zo­ge­nen Brem­sen.

Die Control-Taste hat ihr eigenes Geheimnis

Bei der klas­si­schen Schreib­ma­schi­ne konn­te man im­mer­hin noch aus­ein­an­der­hal­ten, ob man je­weils ei­ne »Schreib«­-­Tas­te vor sich hat­te, die einen Buch­sta­ben, ei­ne Zif­fer oder ein Zei­chen auf das Pa­pier druck­te, — oder ei­ne »Be­die­nungs­«­-­Tas­te, um die Ma­schi­ne et­wa von Klein- auf Groß­buch­sta­ben um­zu­stel­len, für Kor­rek­tu­ren einen Schritt zu­rück­zu­ge­hen oder an den nächs­ten Zei­le­n­an­fang wei­ter­zu­schal­ten.

Aber als man vor rund 60 Jah­ren be­gann, sol­che Ma­schi­nen durch elek­tri sche Lei­tun­gen als »Fern­schrei­ber« mit ein­an­der zu ver­bin­den, muß­te man ja durch die glei­chen Dräh­te bei­des schik ken: so­wohl Strom­si­gna­le, die be­timm­te Zei­chen dar­stel­len, als auch sol­che, die der Ziel­ma­schi­ne Kom­man­dos wie »Wa­gen­rü­ck­lauf« »Zei­len­schal­tung«, »Rück­tas­te« us­w. ge­ben soll­ten. Hin­zu ka­men noch »Pri­vat­ge­sprä­che« der bei­den Ma­schi­nen mit­ein­an­der wie: »Bist du über­haupt emp­fangs­be­reit?« — »En­de der Uber­tra­gung« und so wei­ter.


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Ori­gi­nal amei­i­ka­ni­sche Ta­s­ta­tur: Nur Y und Z lie­gen an­ders als bei un­s, und die Um­lau­te feh­len. Für den Com­pu­ter wur­de das Buch­sta­ben­bild durch Spe­zi­al­tas­ten er­gänz­t: 1 ES­Cape — die Flucht­tas­te; 2 das Dop­pelk­zeuz # — im Ame­ri­ka­ni­schen Syn­i­bol für »Num­mer«; 3 das ame­ri­ka­ni­sche Kauf­mann­zei­chen »at« @; 4 Rück­tas­te, hat oft auch noch ei­ne »Schwes­ter« DE­Le­te (lö­schen); 5 Con­trol oder Ctrl gibt den Tas­ten ei­ne neue Be­deu­tung; 6 Wie Wa­gen­rü­ck­lauf der Schreib­ma­sc­chi­ne be­en­det auch Ein­ga­be. Al­le die­se Zei­chen wur­den auch auf der deut­schen Ta­s­ta­tur bei­be­hal­ten.

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Auch für die eng­li­sche Spra­che wur­de in­zwi­schen ei­ne we­sent­lich ver­bes­ser­te Ta­s­ta­tur ent­wor­fen. Ver­su­che be­wei­sen, man er­lernt sie in der hal­b­en Zeit und ver­tippt sich we­ni­ger. Trotz­dem konn­te sie sich nicht durch­set­zen.


Da­zu gab es nun im Prin­zip zwei Mög­lich­kei­ten: Ent­we­der er­hielt je­des der Nicht­-­Buch­sta­ben­-­Si­gna­le einen Ex­tra- Code (wo­für dann aber mehr Im­pul­se zum Ver­schlüs­seln not­wen­dig sin­d), oder man schick­te vor­weg ein Si­gna­l, das der Ma­schi­ne sag­te: Bit­te das fol­gen­de Zei­chen nicht als Buch­sta­be auf­fas­sen son­dern als Steu­er­be­fehl.

Nach­dem man all die­se Codes nach Her­zens­lust aus­pro­biert hat­te, gab es auf der Welt ei­ne sol­che Viel­falt von Co­des, daß vie­le Län­der ver­such­ten, we­nigs­tens für ihr Ge­biet durch Nor­men­-­Aus­schüs­se ei­ni­ger­ma­ßen Grd­nung zu schaf­fen — so auch die USA. Was dort her­aus­kam, war der »A­me­ri­ka­ni­sche Stan­dard­-­Co­de für In­for­ma­ti­ons­aus­tausch«, auf eng­lisch »A­me­ri­can Stan­dard Code for In­for­ma­ti­on In­ter­chan­ge« oder ab­ge­kürzt »AS­CI­I« (sprich: »äs­kih«).

Über den AS­CII gibt es wun­der­hüb­sche Ta­bel­len — die nur den Nach­teil ha­ben, daß man sich erst in ih­nen zu recht­fin­det, wenn man schon so viel über die­sen Code weiß, daß man sie ei­gent­lich nicht mehr braucht, Für un­se­ren Zweck reicht es, ganz sim­pel zu wis­sen: Er nu­me­riert al­le er­laub­ten Si­gna­le — ob nun für Kom­man­do, Zei­chen oder Buch­sta­be — von 0 bis 127 durch; im­mer, wenn so ei­ne Num­mer über­mit­telt wird, weiß man al­so, wel­ches Si­gnal ge­meint ist. 65 be­deu­tet zum Bei­spiel das gro­ße »A« — 127 »ei­nen Schritt zu­rück« wie beim Drü­cken der Rück­tas­te auf der Schreib­ma­schi­ne. (Wie man die­se Num­mern im Ein­zel­fall über­mit­telt — durch ei­ne Se­rie auf­ein­an­der­fol­gen­der Stro­mim­pul­se in der Lei­tung oder durch je einen in meh­re­ren par­al­le­len Lei­tun­gen — braucht uns hier nicht zu küm­mern).

Auch die­se spe­zi­el­le Nu­me­rie­rung der Si­gna­le wä­re ei­ne na­ti­o­na­le ame­ri­ka­ni­sche Re­ge­lung ge­blie­ben, die kei­nem von uns je Kopf­schmer­zen ge­macht hät­te — wenn nicht zu­vor schon wie­der ein­mal et­was schief­ge­gan­gen wä­re.

Im Jahr 1941 schrieb ein deut­scher Staats­be­am­ter (des­sen Na­men die Ge­schich­te gnä­dig ver­ges­sen hat) ent­rüs­tet ei­ne Ak­ten­no­ti­z: Da bast­le doch wahr­haf­tig mit­ten im groß­deut­schen Frei­heits­kampf ein ge­wis­ser Zu­se an ei­nem Ap­pa­rat, der mit elek­tri­schen Schal­tun­gen ganz von al­lein ma­the­ma­ti­sche Be­rech­nun­gen aus­füh­ren sol­le — was doch »a pri­o­ri als Schwin­del zu er­ken­nen sei« und man sol­le den ge­fäl­ligst schnells­tens zum Front­dienst ver­set­zen!

So wur­de al­so auch der ers­te wirk­lich ein­satz­fä­hi­ge Com­pu­ter nicht in Deut­sch­land ent­wi­ckel­t, son­dern in den USA — und wenn Sie sich heu­te mit lau­ter an­gel­säch­si­schen Fach­wör­tern und Täs­ten­be­schrif­tun­gen her­um­är­gern dür­fen, wis­sen Sie jetzt we­nigs­tens, bei wem Sie sich da­für zu be­dan­ken ha­ben.

In der Nach­kriegs­zeit war es dann kei­ne Fra­ge mehr, wer auf dem Ge­biet der Elek­tro­nik al­lein den Ton an­gib­t, noch bis in die sieb­zi­ger Jah­re, Der Sie­ges­zug von AS­CII war nicht mehr auf­zu hal­ten.

Der »Klammeraffe« stammt aus dem Wilden Westen

Da mal­ten zum Bei­spiel seit Wes­tern­-­Zei­ten ame­ri­ka­ni­sche Händ­ler auf ih­re Aus­zeich­nungs­-­Schil­der »4 App­les @ 5 c = 20 c« — wo­bei der merk­wür­di­ge Krin­gel ein Kür­zel für »at« und das Ge­gen­stück zum fran­zö­seln­den »ä« ih­rer deut­schen Kol­le­gen wa­r, al­so »4 Ap­fel à 5 Pf­g. «. Und so hat­ten ihn ame­ri­ka­ni­sche Schreib­ma­schi­nen auch brav mit un­ter ih­re Stan­dard­-­Zei­chen auf­ge­nom­men — ge­nau wie das dop­pel­te Kreuz # den » Cross­hat­ch«, als ame­ri­ka­ni­sche Ab­kür­zung für »Num­mer«.

Mit dem Auf­stieg des Com­pu­ters wur­den die­se bie­de­ren Kauf­manns­zei­chen plötz­lich auch ver­bind­lich für al­le deut­schen ED­V­-­Leu­te, die nun zum Bei­spiel den häu­fig ge­brauch­ten Code »64« mit dem @ auf­ru­fen muß­ten — dem »Klam­mer­af­fen­«, wie sie ihn zärt­lich­-­i­ro­nisch nann­ten.


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Mit Fa­r­be de­mon­s­triert — die lin­ke Hand wird sicht­bar mehr be­las­tet als die rech­te — Pech für Rechts­hän­der.


Aber sich an ein paar neue Zei­chen zu ge­wöh­nen, war ja noch gar nicht das Schlimms­te — man konn­te sie sich schließ­lich ge­nau­so ein­prä­gen wie et­wa den Punkt als De­zi­mal­kom­ma, wie ihn der Com­pu­ter ver­lang­t.

Är­ger­li­cher war es für uns Deut­sche, daß lau­fend ge­brauch­te Buch­sta­ben­zei­chen — Um­lau­te wie »ä« und »Ä« oder das »ß« — im AS­CII eben kei­ne Plät­ze hat­ten.

Nun konn­te man na­tür­lich mo­geln und die­sen Zei­chen bei uns die Co­de­-­Num­mern ir­gend­wel­cher an­de­rer (im AS­CII vor­han­de­nen, aber bei uns an­geb­lich nicht ge­brauch­ter) Zei­chen zu­ord­nen wie der ecki­gen oder der ge­schweif­ten Klam­mer.

Lei­der muß­te die­se Mo­ge­lei aber an min­des­tens drei Stel­len klap­pen: bei der Be­schrif­tung der Ta­s­ta­tur, der Dar­stel­lung der Zei­chen a dem Bild­schirm und bei dem, was ein Dru­cker schließ­lich als Zei­chen druck­te. Und da es an je der die­ser Stel­len nun zwei Mög­lich­kei­ten gab (ent­we­der Um­laut oder Klam­mer­zei­chen­), al­so ins­ge­samt 8 mög­li­che Kom­bi­na­ti­o­nen, war die Chan­ce, über all ein »ü« zu krie­gen, zu­nächst mal 1:8 — oder klei­ner, als beim Wür­feln auf An­hieb ei­ne Sechs zu wer­fen.

All das war je­doch noch durch­aus harm­los im Ver­gleich zu dem, was der AS­CII bei den Komm­man­do- bzw. Funk­ti­ons­tas­ten an­rich­te­te. Um mög­lichst al­le , was ir­gend­wer ir­gend­wann ein­mal brau­chen könnt, mit zu be­rück­sich­ti­gen, um­faß­te er ne­ben­ein­an­der (un­ter den Num­mern 0 bis 31):

  • ei­­ne Lat­te fes­ter Stan­dard­­-­­­Co­­des für al­le mög­­li­chen Fern­schreib- oder Druck­­-­­S­teu­e­rungs­­­-­­­Kom­­man­­dos mit eng­­li­­schen Ab­­kür­­zun­­gen wie »CR« (Ca­r­ra­­ge Re­turn = Wa­­gen­rü­ck­laul), »LE« (Li­­ne Feed = Zei­len­­scha­l­tung) us­w.; an­­de­­rer­­seits aber, um für al­le Fäl­le ge­rüs­tet zu sein,

  • ein Un­i­­ver­­­sa­l­­si­­gnal »ES­­CA­­PE«: »Ent­f­lie­he« al­len üb­­li­chen Zu­ord­­nun­­gen und be­han­d­le die fol­­gen­­den Si­­gna­le als Son­­deran­wei­­sun­­gen (z. B. zum Um­­­scha­l­ten ei­­nes Dru­ckers auf ei­­ne an­­de­­re Schrift­a­r­t, ei­­nes Bild­­schirms auf Ne­­ga­ti­v­­-­­Da­r­s­tel­­lung oder Blin­ken us­w.).

Das war nun sehr schön — aber mit wel­chen Tas­ten der Ta­s­ta­tur soll­te man denn die­se gan­ze Lat­te von Kom­man­dos auf­ru­fen?

Bei ei­ni­gen schien die Ant­wort sim­pel: eben mit de­nen, die auf der nor­ma­len Schreib­ma­schi­ne (o­der Fern­schreib­ma­schi­ne) schon im­mer die­se Funk­ti­on aus­ge­löst hat­ten — al­so den Rü­ck­wärts­schritt mit der Rück­tas­te (»­DEL« — »von »de­le­te« — lö­schen), das Weiter­schal­ten zum An­fang der nächs­ten Zei­le mit der »RE­TURN«­-­Tas­te — aber da gin­gen die Pro­ble­me schon los: >»­Schal­te zur nächs­ten Zei­le« (»L­F« LI­NE FEE­D) hat­te ja ei­ne ei­ge­ne AS­CI­I­-­Co­de­num­mer (10) und »Geh an den An­fang der Zei­le zu­rück« (»­CR« CAR­RI­A­GE RE­TURN) für sich ei­ne an­de­re (13); im Nor­ma­l­fall brauch­te man zwar bei­des zu­sam­men — aber manch­mal (et­wa wenn man in der glei­chen Zei­le noch et­was nach­ho­len woll­te) auch bloß ei­nes da­von ein­zeln!

Noch ei­ne der mil­de­ren Fol­gen ist, daß die Ein­ga­be­tas­te auf man­chen Ho­me­com­pu­tern statt mit »RE­TURN« mit »NEW LI­NE« be­schrif­tet ist — was vor al­lem dann sehr hilf­reich ist, wenn ein An­fän­ger im Hand­buch dann liest, er mö­ge CR drü­cken, Aber auch das ha­lf nicht dar­an vor­bei, für den Zei­len­vor­schub (LI­NE FEE­D) al­lein noch ei­ne zu­sätz­li­che Tas­te an­zu­brin­gen, ge­nau wie für den Flucht­be­fehl ESC. Aber so konn­te man ja nun wirk­lich nicht für al­le 32 AS­CI­I­-­Kom­man­dos wei­ter­ma­chen. Jetzt kam der al­te Trick von der Schreib­ma­schi­ne wie­der zum Zug. Dort hat­te man ja auch mit Hil­fe der Um­schalt­tas­te zwei Buch­sta­ben auf ei­nem He­bel un­ter­ge­bracht.

Drücken Sie doch einmal CTRL-M stattt RETURN!

Al­so bau­te man ei­ne zwei­te Um­schal­t­-­Tas­te ein: »CON­TRGL« oder ab­ge­kürzt »C­TRL«. So­lan­ge sie ge­drückt ist, »be deu­tet« eben das An­schla­gen der Tas­te »M« we­der Klein­-m noch Groß­-­M, son­dern das Steu­e­rungs­-­Kom­man­do »C­TRL­-­M«. Das aber ist — ich ha­be Sie ge­warnt! — zu­nächst ein­mal nichts an­de­res als un­ser Kom­man­do Nr. 13, näm­lich der Wa­gen­rü­ck­lauf »CR« — oder das, was Sie auch beim Drü­cken der RE­TURN­-­Tas­te be­kä­men; und ge­nau so hat nun je­des der AS­CI­I­-­Kom­man­dos von Nr. 0 bis 31 noch einen zwei­ten Na­men — von »C­TRL­-@ bis »C­TRL­-_ —, der be­schreib­t, wie man es durch Drü­cken von »CON­TRGL« und der ent­spre­chen­den Zei­chen­-­Tas­te auf­ru­fen kann,

Sie kön­nen ja ein­mal auf Ih­rem Com­pu­ter nach ei­ner Ein­ga­be nicht wie ge­wohnt die Tas­te RE­TURN drü­cken, son­dern statt­des­sen »C­TRL­-­M«. Das müß­te — nach dem vor­ab Ge­sag­ten — ge­nau die glei­che Wir­küng ha­ben,

Müß­te — sa­ge ich vor­sichts­hal­ber, denn nach­dem die »dop­pel­te Um­schalt tas­te« CON­TROL erst mal auf der Ta­s­ta­tur wa­r, lag die Ver­su­chung na­he, sie auch für ganz an­de­re Zwe­cke zu be­nut­zen — zum Bei­spiel bei man­chen Com­pu­tern (statt auf »Kom­man­dos«) auf einen Satz zu­sätz­li­cher Gra­fi­k­-­Zei­chen für Bild­schir­m­-­Dar­stel­lung um­zu­schal­ten, die man dann statt der nor­ma­len Buch­sta­ben und Zei­chen vom Tas­ten­feld her ein­tip­pen kann.

Erst recht be­geis­tert wa­ren von der Mög­lich­keit der CON­TRGL­-­Tas­te die Er­fin­der viel­sei­ti­ger An­wen­dungs­pro­gram­me (wie et­wa zur Text­ver­a­r­bei­tung), bei de­nen man ja dut­zend­wei­se Spe­zi­al­be­feh­le braucht: zum Hin- und Her­sprin­gen zwi­schen Buch­sta­ben, Wör­tern, Zei­len und Ab­sät­zen; zum For­ma­tie­ren, Ein­fü­gen und Lö­schen, Ein­le­sen und Weg­spei­chern von Tex­ten us­w. Wie wun­der­ba­r, je­dem da­von ein­fach ei­ne ei­ge­ne » CON­TROL­-­Se­quenz« zu­zu­ord­nen.

Manche Profis begrüßen jede neue Taste wie ein Geschenk

Nun gibt es zwei­fel­los Pro­fis, die je­de neue Tas­te, die man mit an­de­ren kom­bi­nie­ren kann, wie ein Ge­schenk be­grü ßen. Sie kau­fen auch Schwei­zer Of­fi­ziers­mes­ser mit 30 ver­schie­de­nen Funk­ti­o­nen und ent­de­cken noch ei­ne ein­und­drei­ßigs­te dar­an, die der Her­stel­ler selbst gar nicht kann­te. Sol­che Fans kön nen sich na­tür­lich über­haupt nicht vor­stel­len, daß wir Nor­mal­s­terb­li­chen, die bis­her fried­lich auf ei­ner Schreib­ma­schi­ne ge­tippt ha­ben, über­haupt nicht be­geis­tert sin­d, daß je­de ver­trau­te Tas­te plötz­lich ei­ne über­ra­schen­de Zu­satz fünk­ti­on hat.

Aber selbst wer schon ein biß­chen ver­traut ist mit Com­pu­tern, tappt im­mer wie­der in Fall­gru­ben — zum Bei­spiel, wenn er das Mo­dell wech­sel­t.

Al­so be­schlos­sen die Ta­s­ta­tur­-­Kon­struk­teu­re, die » Be­nut­ze­r­o­ber­flä­che« zu ver­bes­sern. Al­les muß simp­ler, an­wen­dungs­ge­rech­ter, über­sicht­li­cher wer­den! Wie macht man das? Ganz ein­fach: Man setzt eben noch ei­ne Lat­te von Tas­ten da­zu — dies­mal vor­sichts­hal­ber nur mit »F 1«, »F2« und so wei­ter be­schrif­tet: »frei pro­gram­mier­ba­re Funk­ti­ons­tas­ten­«, bei de­nen man von Fall zu Fall (o­der Pro­gramm zu Pro­gram­m) neu fest­le­gen kann, was sie dies­mal ge­ra­de tun sol­len!

Aber wo­her weiß der Be­nut­zer nun je­des­ma­l, was sie ge­ra­de tun! Auch ganz ein­fach: Da­zu braucht er nur ei­ne wei­te­re Tas­te mit der Auf­schrift »HEL­P« zu drü­cken — dann er­scheint die Er­klä­rung auf dem Bild­schir­m!

Nun, hei­li­ger Com­pu­ti­us, oder wer im­mer uns be­schütz­t: Wenn ein blu­ti­ger Com­pu­ter­-­An­fän­ger ein Pro­gramm so ver­korkst an­ge­legt hat, daß es we­der be­son­ders leicht zu be­nut­zen, noch zu durch­schau­en ist — sich aber kon­stant wei­ger­t, auch nur ei­ne Zei­le dar­aus zu strei­chen, dann schüt­teln halt al­le Fach­leu­te die Köp­fe und mur­meln: ,,Aus dem wird nie ein Pro­fi!«

Wenn aber wir Com­pu­ter­-­Be­nut­zer — ob An­fän­ger oder Hob­by­ist — auf die Ta­s­ta­tu­ren schau­e­n, an de­nen wir täg­lich ar­bei­ten müs­sen, dann kön­nen wir auch aus­ru­fen: »Da wa­ren nur Pro­fis am Werk!«

Ra­che muß sein, be­vor wir uns wie­der ans Werk ma­chen. Hel­mut Wolf­ram

Portrait von Hartmut Goebel

Hartmut Goebel

Diplom-Informatiker, CISSP, CSSLP, ISO 27001 Lead Implementer

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