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2011-02: Fleißige Datensammler für lukratives Geschäftsmodell gesucht

Der er­tapp­te Bö­se­wicht woll­te Be­rich­ten von hei­se on­line zu­fol­ge sei­ne bei­den Hob­by­-­Fo­ren mit der IV­W­-­Be­su­cher­zäh­lung, dem Ama­zon­-­Part­ner­pro­gramm und Goo­gle­-­Ad­Sen­se mit­fi­nan­zie­ren. Das stör­te je­mand (mich stört so et­was üb­ri­gens auch) und der be­klag­te sich. Der Lan­des­da­ten­schutz­be­auf­trag­te for­der­te den Be­trei­ber dar­auf­hin auf, die Miss­stän­de ab­zu­stel­len und die be­sag­ten Tools von sei­ner Web­si­te zu ent­fer­nen. Auf­la­ge war auch, mit dem Hos­ter des Ser­vers einen Ver­trag zur Auf­trags­da­ten­ver­a­r­bei­tung ab­zu­schlie­ßen.

Ir­gend­wie lä­cher­lich scheint es auf den ers­ten Blick schon, dass aus­ge­rech­net ein Be­trei­ber ei­ner po­pe­li­gen Hob­by­-­Web­si­te Är­ger mit dem Lan­des­da­ten­schutz­be­auf­trag­ten (Lf­D) be­komm­t. Der Mei­nung sind auch min­des­tens die Hälf­te der über 800 Kom­men­ta­re auf hei­se on­line. Doch ir­gend­wie auch wie­der nicht. Denn ge­nau be­trach­tet ha­ben die Ver­stö­ße ge­gen das Da­ten­schutz­ge­setz mit der Grö­ße sei­nes "Ge­schäfts" gar nichts zu tun.

Viele fleißige kleine Sammler füllen den Datentopf

Je­des Por­ta­l, je­de Web­si­te, die die Wer­be- und Tracking­-­Tools der gro­ßen Diens­te- und Con­ten­tan­bie­ter wie Goo­gle, Ebay oder Ama­zon ein­bin­den, ist de­ren Er­fül­lungs­ge­hil­fe. Der „Klei­ne“ sam­melt die Da­ten für die „Gro­ßen“, ei­ne Art Crowd­sour­cing zum Da­ten­sam­meln. Erst durch die­se vie­len, vie­len zu­ver­läs­si­gen und kos­ten­lo­sen Mess­stel­len be­kom­men Goo­gle, Ama­zon und wie sie al­le hei­ßen, das be­gehr­te Wis­sen und den Über­blick über die Web­sur­fer und de­ren Ver­hal­ten.

Das Fi­nan­zie­rungs­mo­dell des Be­trei­bers der be­sag­ten klei­nen Hob­by­sei­te sieht al­so so aus, dass er die Da­ten sei­ner Be­su­cher wei­ter­ver­kauf­t. Rich­tig, „ver­kauf­t“ ist hier der rich­ti­ge Be­griff. Denn er be­kommt Geld da­für, dass er in sei­ne Sei­te et­was ein­baut, das die Wer­bung des Drit­ten an­zeigt und „ne­ben­bei“ ein Tracking die­ses Drit­ten er­mög­licht. Aber die IVW, sa­gen Sie, was ist denn da dran Schlim­mes? Das ist doch ei­ne se­ri­öse In­sti­tu­ti­on und da­für zu­stän­dig, die Druck­auf­la­ge von Me­di­en zu mes­sen?

Stimm­t, aber es gibt einen klei­nen Un­ter­schie­d: Bei Druck­e­r­zeug­nis­sen kann die IWV nie wis­sen, was der Le­ser al­les liest, denn der hat kei­nen Kon­takt zur IVW und sei­ne Da­ten be­kommt sie auch nicht. On­line je­doch setzt die IVW (b­zw. de­ren Dienst­leis­ter in­fOn­li­ne) ein Coo­kie mit ei­ner „be­lie­bi­ge[n], in­tern ver­ge­be­ne[n] Zah­len­fol­ge zur Er­stel­lung ei­ner Markt­for­schungs­stu­die“, Gül­tig­keit ein Jahr. Das be­deu­tet, dass in­fOn­li­ne von al­len IV­W­-­ge­track­ten Sei­ten er­fähr­t, die ich be­su­che. (Au­ßer ich wür­de ein Jahr lang kei­ne ein­zi­ge da­von be­su­chen.) Da­hin­ter steckt das In­ter­es­se der Wer­be­wirt­schaft. Es geht al­so wie­der um Geld.

Auch den Großen eins auf die Mütze

Was na­tür­lich wie so oft un­fair an der Sa­che ist: Den klei­nen „Klei­nen“ macht man die Höl­le heiß, und die Gro­ßen lässt man lau­fen. Oder die Gro­ßen ha­ben einen Da­ten­schutz­be­auf­tra­gen, der ih­nen den LfD vom Hal­se häl­t. Ap­pel­lie­ren wir al­so in­nigst an die Lan­des­da­ten­schutz­be­auf­trag­ten al­ler Bun­des­län­der, end­lich auch die gro­ßen Web­si­te­-­Be­trei­ber ge­nau un­ter die Lu­pe zu neh­men und ih­nen eins auf die Müt­ze zu ge­ben.

Denn erst wenn Goo­gle kei­ne Da­ten mehr aus Deut­sch­land be­komm­t, wird Goo­gle sei­ne Sam­mel­wut den deut­schen Ge­set­zen an­pas­sen. Und den „Part­nern“ hof­fent­lich auch ei­ne or­dent­li­che Ver­ein­ba­rung zur Auf­trags­da­ten­ver­a­r­bei­tung an­bie­ten. Da al­ler­dings das Ge­schäfts­mo­dell von Goo­gle "Da­ten­ag­gre­ga­ti­o­n" heißt, wür­den sie sich da­mit selbst das Was­ser ab­gra­ben.

Go­ebel Con­sult sam­melt der­zeit „rein sta­tis­ti­sche“ Da­ten, wie vie­le Web­si­tes in Deut­sch­land Goo­gle Ana­ly­tics, Ad­Sen­se, Ama­zon oder IVW ver­wen­den. Mein Tipp: über 50 Pro­zent.

Ein paar An­ek­do­ten am Ran­de:

  • Der Fo­ren­­be­trei­­ber hat nun al­­so einen Ver­­­trag zur Auf­­­trags­da­ten­­ver­­a­r­­bei­tung mit sei­­nem Hos­ter, Host­Eu­ro­­pe, ge­schlos­­sen. Host­Eu­ro­­pe nimmt es auf sei­­ner ei­­ge­­nen We­b­­si­te aber nicht so ernst mit dem Da­ten­­schutz und ver­­wen­­det selbst Goo­­gle Ana­­ly­tics (steht so­­gar in den „Da­ten­­schutz­hin­wei­­sen“). Über die Pro­ble­­men mit Goo­­gle Ana­­ly­tics ha­­be ich in der Ko­lum­­ne vor ei­­nem Jahr aus­­­führ­­lich be­rich­tet.

  • IWV, bzw. de­ren Dienst­leis­ter in­­­fOn­­li­­ne, neh­­men es mit dem Da­ten­­schutz auch nicht so ge­nau: Der Ver­­­trag ent­hält kei­­ne Ver­­ein­­ba­run­­gen, die m.E. (ju­ris­ti­­scher Lai­e) den An­­for­­de­run­­gen des DBSG bzgl. Ver­­ein­­ba­rung zur Auf­­­trags­da­ten­­ver­­a­r­­bei­tung ge­nüg­t. Er ver­­weist auf We­b­­si­te, die sich aber je­­der­­zeit än­­dern kann.

  • Der Fo­ren­­be­trei­­ber will mit der Wer­­bung sein Hob­­by re­­fi­­ni­an­­zie­ren. In­­­fOn­­li­­ne kos­tet pro Jahr min­­des­tens 150 Eu­ro, der da­­zu nö­ti­­ge IV­W­­-­­­Bei­­trag min­­des­tens 314 Eu­ro. Mit dem Geld könn­te er schon sie­­ben Mo­na­te einen De­­di­­ca­ted Ser­­ver bei sei­­nem Hos­ter be­­zah­len, al­­so über ein ha­l­b­es Jahr.

Portrait von Hartmut Goebel

Hartmut Goebel

Diplom-Informatiker, CISSP, CSSLP, ISO 27001 Lead Implementer

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