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2010-05: Finger weg von Google Analytics

Goo­gle Ana­ly­tics ist hip, mo­dern, ein­fach und wahn­sin­nig nütz­lich. Ein paar Zei­len Ja­va­S­cript in die Web­si­te ein­ge­baut und ab so­fort er­hal­ten Sie je­de Men­ge bun­ter Sta­tis­ti­ken und vie­le vie­le vie­le Da­ten und sach­dien­li­che Hin­wei­se über Ih­re Be­su­cher. Denn je­der, der auf Ih­re Web­sei­te komm­t, darf sich dank Ih­res em­si­gen Ana­ly­se­-­Tools Goo­gle Ana­ly­tics über ein lus­ti­ges Sor­ti­ment von Coo­kies freu­en, die Goo­gle dann sam­melt und Ih­nen als Sta­tis­tik zur Ver­fü­gung stell­t. Des­halb ist Goo­gle Ana­ly­tics das mit Ab­stand meist­-­ver­wen­de­te Werk­zeug für die We­b­ana­ly­se.

Ich möch­te jetzt nie­mand den Spaß ver­der­ben, aber Hand aufs Her­z: Was nut­zen Ih­nen ei­gent­lich die Da­ten, die sie über Goo­gle Ana­ly­tics er­fah­ren? Und sind die­se Da­ten den Preis wer­t, dass Sie Ih­re Kun­den da­für mit Haut und Haa­ren an den pro­fes­si­o­nel­len Da­ten­samm­ler Goo­gle aus­lie­fern?

Richtig: ausliefern.

Denn durch die wei­te Ver­brei­tung und flä­chen­de­cken­de Ver­net­zung von Goo­gle Ana­ly­tics und der Goo­gle­-­Ser­vices wie Mail oder den Such­dienst, die prak­tisch je­der­mann ein­setz­t, kann Goo­gle nur zu oft die ei­gent­lich an­ony­men IP­-­Adres­sen ein­zel­nen Be­nut­zer zu­ord­nen. Laut Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz (BDSG §3 Ab­s. 1) sind das al­so „per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten“ und die dür­fen nur nach aus­drü­ck­li­cher Zu­stim­mung des Be­trof­fe­nen ge­spei­chert wer­den (T­e­le­me­di­en­ge­setz § 12 Ab­s. 1)! Je­den­falls kommt Goo­gle dank sei­nes Ana­ly­se­-­Tools und de­ren Nut­zer in den Be­sitz wun­der­ba­re­r, um­fas­sen­der Per­sön­lich­keits­pro­fi­le. Da­mit las­sen sich Goo­gle­-­Ziel­grup­pen „maß­ge­schnei­der­t“ mit In­for­ma­ti­o­nen be­die­nen oder die Da­ten wer­den meist­bie­tend ver­kauf­t.

Und was ha­ben Sie da­von? Sie er­hal­ten als Ge­gen­leis­tung „wert­vol­le In­for­ma­ti­o­nen“ so in der Ar­t: Es kom­men mehr Be­su­cher mit dem Brow­ser Sa­fa­ri als mit Ope­ra auf Ih­re Sei­te. Sie­ben Pro­zent der Be­su­cher ver­fü­gen über ei­ne Bild­schirm­auf­lö­sung von 1024x768. 20 Pro­zent ge­lan­gen di­rekt auf Ih­re Sei­te, 30 Pro­zent über Su­che bei Goo­gle, zehn Pro­zent über Bing und der Rest über Links. Und der Durch­schnitt­li­che Be­su­cher bleibt 21,3 Se­kun­den auf Ih­rer Web­si­te.

Cool. Und was ma­chen Sie da­mit? Da­mit die­se Da­ten zu In­for­ma­ti­o­nen wer­den, sprich sich auf Ihr Ge­schäft aus­wir­ken, müs­sen sie aus­ge­wer­tet und in Hand­lun­gen um­ge­setzt wer­den. Aber mal ehr­lich – bau­en Sie mo­nat­lich Ih­re Web­si­te um? Ich wa­ge die The­se, dass kaum ein Un­ter­neh­men Zeit hat, stän­dig an der Web­si­te zu fei­len. Und wenn Sie an­hand der Ana­ly­tics­-­Da­ten den Er­folg ei­ner Kam­pa­gne über­prü­fen wol­len, sind die­se In­for­ma­ti­o­nen wirk­lich zu wert­voll, um sie aus der Hand zu ge­ben und Goo­gle zu über­las­sen.

Als Se­cu­ri­ty­-­Of­fi­cer oder Da­ten­schutz­be­auf­trag­ter kön­nen Sie auch di­rek­ter ar­gu­men­tie­ren: Der Ein­satz von Goo­gle Ana­ly­tics ist ganz ein­deu­tig ei­ne Auf­trags­da­ten­ver­a­r­bei­tung. Hier­für muss ein ein Ver­trag ge­schlos­sen wer­den, der dem BDSG § 11 ent­spricht. Das be­in­hal­tet ins­be­son­de­re die Zweck­bin­dung, ein Kon­troll­recht und die Kon­troll­pflicht durch den Auf­trag­ge­ber, al­so durch den­je­ni­gen, der Goo­gle Ana­ly­tics ein­setz­t. So­lan­ge die­ser Ver­trag nicht be­steht, ist der Ein­satz von Goo­gle Ana­ly­tics schlicht und er­grei­fend per Ge­setz ver­bo­ten.

Al­so Fin­ger weg von Goo­gle Ana­ly­tics, es gibt schließ­lich noch an­de­re Ana­ly­se­-­Tool­s. Mei­ne per­sön­li­chen Fa­vo­ri­ten sin­d: a) das al­t­-­ehr­wür­di­ge AW­Stats und b) das mo­di­sche Pi­wik.

Portrait von Hartmut Goebel

Hartmut Goebel

Diplom-Informatiker, CISSP, CSSLP, ISO 27001 Lead Implementer

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