Springe zum Hauptinhalt

Rohmert: Auszug aus dem Forschungsbericht ergonomische Schreibmaschinentastaturen

Ent­nom­men aus Wal­ter Roh­mer­t: For­schungs­be­richt zur er­go­no­mi­sche Ge­stal­tung von Schreib­ma­schi­nen­ta­s­ta­tu­ren. Eg­gen­stein­-­Leo­pol, 1982. Rei­he: Bun­des­mi­nis­te­ri­um für For­schung und Tech­no­lo­gie: For­schungs­be­richt / DV / 82,1­-; 82,3

Ori­gi­nal Scan (400d­pi) · Scan leicht über­a­r­bei­tet als PDF

D1.2.2.8 Belegung

Die grund­le­gen­de An­ord­nung der Zei­chen auf dem Tas­ten­feld blieb im we­sent­li­chen seit der Er­fin­dung der Schreib ma­schi­ne vor mehr als ei­nem Jahr­hun­dert un­ver­än­der­t. Seit dem gab es zahl­rei­che Be­mü­hun­gen, das QWER­TY­-­Tas­ten­feld (QWERTZ im Deut­schen) durch an­de­re zu er­set­zen.

Die­se Stan­dard­be­le­gung ging aus rein tech­ni­schen Ge­sichts punk­ten her­vor. Es soll­te das Ty­pen­klem­men be­nach­bar­ter Zei­chen ver­mie­den wer­den, in­dem die Tas­ten von in der eng­li­schen Spra­che häu­fig ne­ben­ein­an­der­ste­hen­den Buch­sta­ben (Di­gram, vgl. Ab­b. 81 und Ab­b. 82 ) weit aus­ein­an­der­ge­legt wur­den. Dies er­mög­lich­te ei­ne ho­he Schreib­ge­schwin­dig­keit; die häu­fi­ge­ren Di­grame wur­den durch wech­sel­sei­ti­ge Be­tä­ti­gung bei­der Hän­de ge­tas­tet. Bis auf die­ses Kri­te­ri­um ist die QWER­TY­-­An­ord­nung nicht auf die Struk­tur ei­ner Spra­che zu­ge­schnit­ten

Ent­spre­chend un­gleich ist die Be­las­tung der ein­zel­nen Fin­ger (KLO­CKEN­BER­G, 1924). Es scheint so, daß die­se Stan­dard­be­le­gung auch die Ar­beits­stel­lung be­ein­flußt und das Auf­tre­ten vom Sym­pto­men wie Mus­kel­krämp­fen und My­al­gi­en för­dert (FER­GU­SON, DUN­GAN, 1974).

Deutsch

Eng­lisch

Spa­nisch

en

ne

6,1 %

er

re

5,7 %

ei

i

4,4 %

de

ed

4,0 %

er

re

3,9 %

es

se

3,8 %

th

3,5 %

en

ne

3,5 %

re

er

3,5 %

ch

3,3 %

Abb. 81 Die häufigsten Digrame in der deutschen, englischen und in der spanischen Sprache, MEIER, 1967 (entnommen CAKIR, 1980)

Sum­me

en

ne

6,1 %

6,1 %

er

re

5,7 %

11,8 %

ei

ie

4,4 %

16,2 %

ch

3,3 %

19,5 %

de

ed

2,8 %

22,3 %

te

et

2,7 %

25,0 %

in

ni

2,5 %

27,5 %

ge

eg

2,2 %

29,7 %

es

se

2,2 %

31,9 %

un

nu

2,2 %

34,1 %

Abb. 82 Die zehn gebräuchlichsten Digrame und ihre Umkehrungen in der deutschen Sprache, MEIER (1967), entnommen GAKIR (1980)

Als phy­sio­lo­gi­sche Ge­stal­tungs­kri­te­ri­en soll­ten fol­gen­de Punk­te be­ach­tet wer­den ( RTIN, 1972; GA­KIR, 1980):

Be­die­nung der Ta­s­ta­tur mit mög­lichst häu­fi­gem Hand­wech­sel.

Tas­ten der Grund­rei­he soll­ten die Buch­sta­ben ent­hal­ten, die in der Spra­che am häu­figs­ten vor­kom­men.

An­zahl der Ver­ti­kal­be­we­gun­gen, die wie­der­holt nur einen Fin­ger be­an­spru­chen, so ge­ring wie mög­lich hal­ten (Wie­der­hol­funk­ti­on vor­se­hen für z.B. Un­ter­strei­chun­gen, Leer­tas­te).

Die Be­we­gun­gen und die Be­las­tung der Fin­ger, Hän­de und Ar­me wäh­rend des Schrei­bens sind stark von den Be­son­der­hei­ten der je­wei­li­gen Spra­che be­ein­fluß­t, bei­spiels­wei­se dem häu­fi­gen Vor­kom­men von Groß­buch­sta­ben im Deut­schen oder Ak­zen­ten im Fran­zö­si­schen.

Ei­ne Häu­fig­keits­ana­ly­se von Zif­fern- und Buch­sta­ben­fol­gen bei Tä­tig­kei­ten zur Ein­ga­be von Ko­die­run­gen in der EDV ist nicht mög­lich.

Um nach den vor­ge­nann­ten Punk­ten ei­ne er­go­no­mi­sche Tas­ten­be­le­gung vor­neh­men zu kön­nen, ist es not­wen­dig, ei­ne Aus­wer­tung der Zei­chen­häu­fig­kei­ten zu tref­fen, vgl. Ab­b. 83

Eng­lisch

Deutsch

Spa­nisch

Schwe­disch

%

Sum­me %

%

Sum­me %

%

Sum­me %

%

Sum­me %

1

e

12,41

12,41

e

16,55

16,55

e

13,77

13,77

e

9,97

9,97

2

t

8,90

21,31

n

10,36

27,01

a

11,26

25,03

a

9,34

19,31

3

o

8,13

29,44

i

8,14

35,15

o

8,41

33,44

n

8,78

28,09

4

a

8,09

37,53

r

7,94

43,09

s

8,40

41,84

t

8,62

36,71

5

r

7,13

44,66

s

5,57

48,66

n

6,94

48,78

r

8,41

45,12

6

i

6,46

51,12

t

5,43

54,09

r

6,84

55,62

s

6,51

51,63

7

n

6,41

57,53

a

5,15

59,24

d

5,61

61,23

i

5,71

57,34

8

s

6,41

63,94

h

4,76

64,00

i

5,56

66,79

l

5,29

62,63

9

h

4,73

68,67

d

4,21

68,21

l

4,83

71,62

d

4,47

67,10

10

l

4,10

72,77

u

4,01

72,22

c

4,58

76,20

o

4,04

71,40

.

.

.

.

.

.

.

.

z

0,10

100.00

y

0,03

100,00

w

0,01

100,00

q

0,01

100,00

Abb. 83 : Ein Vergleich relativer Buchstaben-Häufigkeiten in vier Sprachen, MEIER (1967) entnommen CAKIR (1980)

Da­bei tritt das Pro­blem der Zu­grun­de­le­gung ei­ner be­stimm ten Spra­che für das je­wei­li­ge An­wen­dungs­ge­biet auf. Er­stre­bens­wert ist, wie heu­te schon bei der QWER­TY­-­An­ord­nung, ei­ne in­ter­na­ti­o­nal na­he­zu ein­heit­li­che Tas­ten­be­le­gung, be­grün­det durch die wirt­schaft­li­chen und kul­tu­rel­len Be­zie­hun­gen vie­ler Staa­ten.

Für die deut­sche Spra­che ist die pro­zen­tu­a­le Ver­tei­lung der Buch­sta­ben, sta­tis­tisch aus­ge­wer­tet aus in­halt­lich ver­schie­de­nen Tex­ten (20.000.00 Sil­ben 10.906.239 Wör­ter) mit Be­rück­sich­ti­gung der Leer­tas­te so­wie Satz­zei­chen, in Ab­b. 84, zur Ver­an­schau­li­chung in das QWERTZ Lay­out ein­ge­setz­t, dar­ge­stell­t.

0,012

1,278

13,22

6,178

4,263

0,950

2,571

5,748

1,597

0,449

q

w

e

r

t

z

u

i

0

p

0,523

3,898

4,504

3,949

1,222

2,403

3,886

0,148

0,864

2,643

Ü

a

s

d

f

g

h

j

k

l

0,229

0,443

0,015

0,024

2,389

0,662

1,439

7,954

1,929

1,322

Ö

ä

y

X

c

v

b

n

m

,

0,746

0,072

13,715

.

Leer­tas­te

Abb. 84 : Prozentuale Zeichenhäufigkeit aus inhaltlich verschiedenen deutschen Texten nach BAST, LEVASSEUR (1958)

Die Ar­beits­last­ver­tei­lung ei­nes deut­schen Tex­tes bei Be­nut­zung des QWERTZ­-­Tas­ten­fel­des zeigt Ab­b. 85

image0 Ab­b. 85 Das QWERTZ­-­Tas­ten­feld­-­Lay­out und die Ar­beits­last­ver­tei­lung beim Tas­ten ei­nes deut­schen Tex­tes MEI­ER (1967), et al. (1980)

In der eng­li­schen Spra­che ver­teilt sich die Ar­beits­last ent­spre­chend Ab­b. 86 in Ge­gen­über­stel­lung zum DVOR­AK Tas­ten­feld.

image1 Ab­b. 86: links: DVOR­AK­-­Sim­pli­fie­d­-­Key­board (DS­K), rechts: "Stan­dard" Be­le­gung; (1943) nach DVOR­AK

Bei der DVOR­AK­-­Be­le­gung lie­gen ca. 56 % der Ar­beits­be­las­tung beim Tas­ten eng­li­scher Tex­te auf der rech­ten Han­d, und die Be­las­tung der Fin­ger kon­zen­triert sich auf die stär­ke­ren Mit­tel- und Zei­ge­fin­ger. Auch un­güns­ti­ge Be­we­gungs­fol­gen der Fin­ger sol­len mit die­ser Be­le­gung re­du­ziert wor­den sein. Die Häu­fig­keit der auf­ein­an­der­fol­gen den Be­tä­ti­gun­gen des sel­ben Fin­ger­s, ent­we­der beim Nie­der­drü­cken be­nach­bar­ter Tas­ten oder Be­we­gun­gen von der obers­ten Tas­ten­rei­he zur Grund­rei­he bzw. un­te­ren Tas­ten­rei­he konn­te durch die DVOR­AK­-­Be­le­gung in ei­ne ver­stärkt wech­seln­de Han­d- bzw. Fin­ger­be­we­gung um­ge­wan­delt wer­den (YA­MA­DA, 1980), s. Ab­b. 87

image2image3 Ab­b. 87 : Ver­rin­ge­rung der un­güns­ti­gen Tast­fol­gen (be­zo­gen auf die eng­li­sche Spra­che) , durch das DVOR­AK Tas­ten­feld. Die Hö­he der zwei Tas­ten ver­bin­den­dem Li­ni­en stellt das pro­por­ti­o­na­le Maß der Häu­fig­keit die­ser vor­kom­men­den Tast­fol­gen dar, (ent­nom­men YA­MA­DA, 1980)

An­geb­lich soll das DVOR­AK­-­Tas­ten­feld bei kür­ze­rer Aus­bil­dungs­dau­er des Schrei­ben­den auch hö­he­re Leis­tung er­mög­li­chen, aber ver­schie­de­ne Un­ter­su­chun­gen und Leis­tungs­ver­glei­che konn­ten die An­nah­me nicht end­gül­tig be­stä­ti­gen (D­VOR­AK, 1943; BAST, 1958; BROWN et al., 1966; KLEM­MER, 1971; MAR­TIN, 1972; AL­DEN et al., 1972; KIN­KEA­D, 1976; GA­KIR, 1980).

Die Be­le­gung und Be­die­nungs­wei­se des MEI­ER­schen Tas­ten­fel­des sind in Ab­b.88 dar­ge­stellt Es zeigt sich hier, daß die Män­gel des QWER­TY­-­Lay­outs über­wun­den wer­den kön­nen, oh­ne auf den grund­le­gen­den Vor­teil der mehr­spra­chi­gen Tas­ten­be­le­gung ver­zich­ten zu müs­sen (CA­KIR, 1980)

image4 Ab­b. 88 : Die Mei­er­sche Tas­ten­feld­-­An­ord­nung und Ar­beits­last­ver­tei­lung auf der Grund­la­ge der Häu­fig­keit ein­zel­ner Buch­sta­ben in der deut­schen, eng­li­schen und spa­ni­schen Spra­che, MEI­ER (1967) ; ent­nom­men CA­KIR (1980)

DREI­SPRA­CHEN TA­S­TA­TUR (nach Mei­er, Deut­sch, Eng­lisch, Spa­nisch)

Eben­falls un­ter Be­rück­sich­ti­gung der sprach­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten ent­wi­ckel­te das In­sti­tut MAR­SAN (1979) für das Kern­feld der Ta­s­ta­tur meh­re­re Be­le­gungs­ent­wür­fe. Grund­la­ge da­zu war ei­ne Com­pu­ter­ana­ly­se der vier Spra­chen Eng­lisch, Fran­zö­sisch, Spa­nisch, Deutsch so­wie ei­ner Ima­gi­när­spra­che, die ei­ne aus die­sen vier ge­nann­ten in be­stimm­tem Ver­hält­nis zu­sam­men­ge­setz­te Syn­the­se dar­stell­t. Die Ad­ap­ti­o­n. an die­se Spra­chen er­gab bis auf ei­ni­ge Zei­chen ähn­li­che Be­le­gun­gen, s. Ab­b. 89 . ·Es ist zu be­rück sich­ti­gen, daß es sich hier um ei­ne the­o­re­tisch­-­sta­tis­ti­sche Aus­wer­tung han­del­t, prak­ti­sche Er­pro­bun­gen lie­gen bis her nicht vor.

image5 Ab­b. 89 a: Be­le­gung der "In­ter­na­ti­o­na­len Ta­s­ta­tur" in An­pas­sung an die fran­zö­si­sche Spra­che (MAR­SAN, 1979)

image6 Ab­b. 89 b: An­pas­sung an die deut­sche Spra­che (MAR­SAN, 1979)

image7 Ab­b.89 c: An­pas­sung an die spa­ni­sche Spra­che (MAR­SAN, 1979)

image8 Ab­b. 89 d: An­pas­sung an die eng­li­sche Spra­che (MAR­SAN, 1979)

Auf die eng­li­sche Spra­che be­zo­gen, wird die Be­le­gung der Ta­s­ta­tur "Mal­tron Mark II" als op­ti­mal an­ge­ge­ben (MAL­T, 1977), s. Ab­b. 90. 90 % der Buch­sta­ben der 100 meist be­nutz­ten eng­li­schen Wör­ter sind da­bei auf den Aus­gang­s­tas­ten (,ho­me­-­row­') di­rekt un­ter der Grund­stel­lung der Fin­ger un­ter­ge­bracht. Es er­gibt sich da­nach ei­ne Ar­beits­last­ver­tei­lung, die eben­falls in Ab­b. 90 dar­ge­stellt ist. Be­tont wird von der Au­to­rin die An­ord­nung der ,E­'­-­Tas­te un­ter­halb des lin­ken Dau­mens. Die "S­hift"­-­Tas­te und "S­hift­-­Lock"­-­Tas­te be­fin­den sich im Ker­n­a­r­beits­be­reich des Fin­gers 5, die "Space­-­ba­r"­-­Tas­te wird vom Dau­men (Fin­ger 1) be­tä­tig­t.


£

4

$

(

)

&

@

%

=



1

2

3

4

5



6

7

8

9

0



Q

P

Y

C

B



V

M

U

Z

L


Shift­-­Lock

A

N

I

S

F



D

T

H

0

R

:;

Shift

,

?

J

G

"*

E

Sp

_!

W

K

X

Shift

8%

7%

7%

13%

.

Cr

15%

7%

7%

8%







11%

17%







Workload %

LH To­tal 46%



RH To­tal 54%


Abb. 90 : Belegung nach MALT (1977) bei Zugrundelegung der englischen Sprache
Die starke Abweichung dieser Belegung von dem DVORAK-Layout, dem MEIER'schen Tastenfeld und der englischen Belegung von MARSAN, die gemeinsam die Vokale in der linken Tastaturhälfte auf der Grundreihe angeordnet haben und die dort ausschließlich von der linken Hand zu betätigen sind, rührt von Ergebnissen aus Versuchen her, die von MALT (1977) durchgeführt wurden.
In Kurzzeitversuchen weist nach ihren Erkenntnissen laterale Eintastung zweier Finger kürzere Zeitintervalle als die contra-laterale, z.B. der gleichen Finger der rechten und linken Hand, auf. Die höchste Frequenz in den 10 Sekunden-Versuchen wurde mit dem Fingerwechsel 4/3 erreicht. Dies steht im deutlichen Widerspruch zu den von GAKIR (1980) gegebenen Empfehlungen, wonach die Fingerfolge 4/3 möglichst gering gehalten werden solle, und zu den von FOX, STANSFIELD (1964); DANIELS und GRAF (1970); KLOCKENBERG (1924); ermittelten Ergebnissen, welche die. kürzesten Zeitintervalle beim Eintasten durch alternierende Handbewegungen feststellen.

Der Grund der dif­fe­rie­ren­den Er­geb­nis­se und der dar­aus re­sul­tie­ren­den un­ter­schied­li­chen Be­le­gungs­ent­wür­fe liegt mög­li­cher­wei­se in der Art der Ver­suchs­durch­füh­rung. FOX und STANS­FIELD (1964) und DA­NI­ELS, GRAF (1970) er­hiel­ten ih­re Er­geb­nis­se aus der Ana­ly­se ei­nes ge­schrie­be­nen fort­lau­fen­den Tex­tes, in­dem sie die kür­zes­ten Zei­t­in­ter­val­le her­aus­such­ten und die­se mit den da­zu­ge­hö­ri­gen Buch­sta­ben­fol­gen ver­gli­chen. MALT führ­te Kurz­zeit­ver­su­che (10 sec) im La­bor mit al­ter­nie­ren­den Hand­e­in­sät­zen bzw. wech­seln­den be­nach­bar­ten Fin­gern durch, die nur je­weils zwei fest­ge­leg­te Tas­ten zu be­tä­ti­gen hat­ten.

Die Be­le­gun­gen der Ta­s­ta­tu­ren von DVOR­AK, MEI­ER und MAR­SAN fol­gen der Leit­re­gel der be­vor­zugt ein­zu­set­zen­den al­ter­nie­ren­den Hand­be­we­gun­gen, wäh­rend MALT die Be­le­gung ent­spre­chend ih­rer Ver­such­s­er­geb­nis­se in der Art ge­stal­te­te, daß der von ihr er­mit­tel­ten schnells­ten Fin­ger­se­quenz, der la­te­ra­len, im Lay­out deut­lich Rech­nung ge­tra­gen wird.

Es kann nach die­sen wi­der­sprüch­li­chen Ge­stal­tungs­re­geln kei­ne end­gül­ti­ge Emp­feh­lung aus der Li­te­ra­tur zu die­sem Punkt ge­ge­ben wer­den.

Ei­ne Mög­lich­keit, die Ta­s­ta­tur­be­tä­ti­gung zu ver­ein­fa­chen, stellt die freie Be­leg­bar­keit (Pro­gram­mie­rung) von zu­sätz­li­chen Tas­ten dar. Es kön­nen, z.B. im Ge­schäfts­ver­kehr, gan­ze Wort­grup­pen wie An­re­den oder ähn­li­ches auf Tas­ten­druck au­to­ma­tisch ge­schrie­ben wer­den.

Das al­pha­-­nu­me­ri­sche Tas­ten­feld um­faßt ne­ben den Al­pha­bet und den Satz­zei­chen die neun Zif­fern, die all­ge­mein in der obers­ten Tas­ten­rei­he der Stan­dard­-­Ta­s­ta­tur an­ge­ord­net sin­d. SEI­BEL (1972) be­fin­det die­se An­ord­nung der nu­me­ri­schen Zei­chen un­ter be­stimm­ten ar­beitss­pe­zi­fi­schen An­for­de­run­gen, ver­gli­chen mit der ge­trenn­ten An­ord­nung ei­nes nu­me­ri­schen Tas­ten­fel­des für sinn­voll oder mög­li­cher­wei­se so­gar über­le­gen. Es lie­gen al­ler­dings da­zu kei­ne ver­gleich­ba­ren Un­ter­su­chun­gen zur Be­ur­tei­lung vor (SEI­BEL).

Be­in­hal­tet die Tä­tig­keit, bei­spiels­wei­se am Ter­mi­na­l, auch einen An­teil block­wei­ßer nu­me­ri­scher Ein­ga­ben (z.B. Ko­die­run­gen), ist es an­ge­zeig­t, die al­pha­-­nu­me­ri­sche Ta­s­ta­tur mit ei­nem zu­sätz­li­chen nu­me­ri­schen Tas­ten­feld zu kom­bi­nie­ren.

Ei­ne wei­te­re Al­ter­na­ti­ve, die zu Ver­suchs­zwe­cken ent­wi­ckelt wur­de, stellt die si­mul­ta­ne Mehr­fach­be­die­nung ("Chord­-­Key­board") der Tas­ten dar (SEI­BEL, 1972) . Die Kom­bi­na­ti­ons­mög­lich­kei­ten von Tas­ten er­lau­ben das Ko­die­ren je mach Pro­gram­mie­rung von ein­zel­nen Zei­chen, Sil­boa oder Wort­grup­pen und re­du­ziert da­mit die An­zahl der not­wen­di­gen Ein­tas­tun­gen, er­for­dert aber von dem Be­nut­zer lan­ges Trai­ning und stellt wäh­rend der Be­tä­ti­gung ei­ne ho­he men­ta­le An­for­de­rung dar (KLEM­MER, 1971)

Ähn­lich ver­hält es sich mit dem von GON­RA­D, LONG­MAN (1965) vor­ge­stell­ten Ent­wurf (s. Ab­b. 91 )

image9 Ab­b. 91 : "Chord­-­Key­board" nach CON­RA­D.. LONG­MAN (1965)

image10

Die­se Ta­s­ta­tu­r­art ist nach Dar­stel­lung der ge­nann­ten Au­to­ren güns­tig in der An­wen­dung für be­stimm­te Ko­dier­auf­ga­ben, im Be­reich der Tex­t- und Da­ten­ver­a­r­bei­tung, aber in Hin­blick auf die not­wen­di­ge Be­nutz­bar­keit durch un­ge­üb­te Per­so­nen, als Er­satz ei­ner al­pha­-­nu­me­ri­schen Ta­s­ta­tur nicht re­le­vant.

Ne­ben dem Aspekt der Sprach­ana­ly­se ist der Aspekt der. Tä­tig­keits­ana­ly­se auch in­ner­halb ei­nes Sprach­be­reichs von Be­deu­tung. Für spe­zi­fi­sche An­wen­dungs­fäl­le (vgl. ROH­MER­T, LUCZ­AK, 1978; HAI­DER, ROH­MER­T, 1979) kön­nen op­ti­ma­le Ge­stal­tungs­emp­feh­lun­gen von den vor­ge­stell­ten Be­le­gungs­vor­schlä­gen weit ab­wei­chen.

Ei­ge­ne ex­pe­ri­men­tel­le Un­ter­su­chun­gen zur Ta­s­ta­tur­be­le­gung zie­len pri­mär auf die Be­ur­tei­lung der Fin­ger­be­weg­lich­kei­ten bei der Be­die­nung ei­ner nor­mier­ten al­pha­-­nu­me­ri­schen Ta­s­ta­tur.

Bei dem La­bor­un­ter­su­chun­gen wur­den zu­nächst für die mög­li­chen ver­ti­ka­len und ho­ri­zon­ta­len Tas­ten­be­tä­ti­gun­gen der lin­ken Hand sto­chas­tisch ver­teil­te Buch­sta­ben­fol­gen auf ei­nem Bild­schirm dar­ge­bo­ten. In ei­ner on­-­li­ne Kopp­lung an einen Pro­zeß­rech­ner wur­den die an­ge­bo­te­nen und ein­ge­tipp­ten Zei­chen so­wie die zu­ge­hö­ri­gen Zei­ten (in ms) er­faßt. Im fol­gen­dem wird im ers­ten Ana­ly­se­schritt von der Leis­tung (Zeit­ab­stand ei­ner Sym­bol­kom­bi­na­tiom) auf die Fin­ger­be­weg­lich­keit ge­schlos­sen, spä­ter wird auch die Ge­schwin­dig­keit der Fin­ger­be­we­gung in die Ana­ly­se mit­ein be­zo­gen.

Die Er­geb­nis­se wer­den knapp re­fe­rier­t; sta­tis­ti­sche Ab­si­che­run­gen und Da­ten­dar­stel­lun­gen sol­len in ge­plan­ten Ver­öf­fent­li­chun­gen ar­beits­wis­sen­schaft­li­cher und -phy­sio­lo­gi­scher Zeit­schrif­ten aus­ge­führt wer­den.

Vertikale Bewegungsrichtung der Finger:

Die Ran­grei­he der Fin­ger (F2 bis F5) kor­re­liert si­gni­fi­kant (P<0,0S) mit den zu­ge­hö­ri­gen Be­we­gungs­zei­ten; Ab­hän­gig­kei­ten der Fin­ger von der Be­tä­ti­gungs­rich­tung (z.B. von der Grund­rei­he zur obe­ren oder un­te­ren Rei­he) oder vom Tas­te­n­ab­stand (z.B. von der Grund­rei­he zur obe­ren Rei­he/von der un­te­ren Rei­he zur obe­ren Rei­he) konn­te da­ge­gen nicht ab ge­si­chert wer­den.

Die Leistungsunterschiede zwischen den Fingern sind signifikant bis auf die Kombinationen F2-F3 und F4-F5.

image11image12 Ab­b.92: Zeit­ver­tei­lung bei nicht­-­kon­ti­nu­ier­li­cher Ta­s­ta­tur­be­tä­ti­gung (nach PAN­TON, 1976 (o­ben) und NE­A­L, 1977 (un­ten)

Die für die je­wei­li­gen Fin­ger ge­mit­tel­ten Be­we­gungs­zei­ten be­tra­gen

F2

215 ms

F3

236 ms

F4

278 ms

F5

287 ms

Die Zei­ten lie­gen ins­ge­samt in dem aus der Li­te­ra­tur zu er­war­ten­den Be­reich für nicht­-­kon­ti­nu­ier­li­che Tex­te (vgl. Ab­b.92 ). Da­mit er­scheint der an ei­ner Ver­suchs­per­son er­ho­be­ne Da­ten­satz über­trag­ba­r.

Ab­b. 93 ver­deut­licht die be­schrie­be­nen Er­geb­nis­se. In­ter­pre­tie­rend wird deut­lich, daß die Fin­ger F2 und F3 un­ab­hän­gig von Tas­te­n­ab­stand und ver­ti­ka­ler Be­we­gungs­rich­tung hö­he­re Tast­leis­tun­gen er­zie­len.

image13 Ab­b. 93: Zeit­zu­ord­nung für ver­ti­ka­le Fin­ger­kom­bi­na­ti­o­nen­_^ von der Grund­rei­he nach oben­von der Grund­rei­he nach un­ten^ von der un­te­ren Rei­he zu der obe­ren Rei­nev von der obe­ren Rei­he zu der un­te­ren Rei­he.

Horizontale Bewegungsrichtung der Finger:

Leis­tungs­un­ter­schie­de sind in ho­ri­zon­ta­ler Rich­tung mög­lich be­zo­gen auf die Ta­s­ta­tur­rei­hen (o­be­re­-, Grun­d­-, un­te­re Rei­he) und be­zo­gen auf die Be­we­gungs­rich­tung (von au­ßen nach in­nen (z.B. F5­-­F2) oder von in­nen nach au­ßen (z.B. F3­-­F5)).

Die Da­te­n­ana­ly­se zeig­te hin­sicht­lich der Ta­s­ta­tur­rei­hen fol­gen­de Un­ter­schie­de:

  • Die Tast­leis­tung auf der Grun­d­rei­he ist si­g­ni­­fi­­kant hö­her als auf der un­­te­ren oder obe­ren Rei­he.

  • Un­­te­­re und obe­­re Rei­he un­­ter­­schei­­den sich leis­tungs­­mä­­ßig nicht.

Die Leis­tungs­mit­tel­wer­te für die Rei­hen be­tra­gen:

Obe­re Rei­he

258,0 ms

Grund­rei­he

244,7 ms

Un­te­re Rei­he

270,8 ms

Bei Be­rück­sich­ti­gung al­ler Da­ten läßt sich ein Rich­tungs­ef­fekt nicht ab­si­chern. Ana­ly­siert man die Da­ten für je­de Rei­he ge­trennt, so zeigt sich, daß die ho­ri­zon­ta­le Tast­leis­tung für die obe­re und un­te­re Rei­he dem Tas­te­n­ab­stand um­ge­kehrt pro­por­ti­o­nal ist.

Bezogen auf alle Reihen ergeben sich günstige Fingerkombinationen für
F2 - F2
F3 - F2
und ungünstige (langsame) für solche, die zum 3. Finger oder zum 4. Finger hinlaufen (vgl. Abb. 94).

image14 Ab­b. 94 : Zeit­zu­ord­nun­gen für ho­ri­zon­ta­le Fin­ger­be­we­gun­gen. Ex­em­pla­risch dar­ge­stellt für die Grund­rei­he

Linke Hand, Grundreihe
<- nach außen

-> nach in­nen

Bei den Un­ter­su­chun­gen der Be­we­gungs­ge­schwin­dig­kei­ten (Be­we­gungs­weg/­Be­we­gungs­zeit) der Fin­ger in ho­ri­zon­ta­ler und ver­ti­ka­ler Rich­tung zeig­te sich, daß wei­ter aus­ein­an­der lie­gen­de Tas­ten mit hö­he­rer Ge­schwin­dig­keit be­tä­tigt wer­den als nä­her bei­ein­an­der plat­zier­te. Die­se Ten­denz läßt sich auf ei­ner Mit­tel­werts­ba­sis ta­bel­la­risch ver­deut­li­chen

Zwischenraum
(n Tasten)
Betätigungs-
geschwindigkeit
(mm/sec)

0

7,22

1

15,19

2

20,15

3

30,17

Ei­ge­ne Un­ter­su­chun­gen mit Fließ­tex­ten be­stä­ti­gen die we­sent­lich schnel­le­ren Ein­tas­tra­ten bei al­ter­nie­ren­der Ein­ga­be (Grö­ßen­ord­nung 100 ns) ; man ver­glei­che da­zu auch Ab­b. 95

Ab­b. 95 : Fre­quenz­ver­tei­lung von al­ter­nie­ren­den Ein­tas­tun­gen und Ein­hand­ein­tas­tun­gen im Ver­gleich (Kink­hea­d, 1972)

image15

Da­mit läßt sich zu­sam­men­fas­send emp­feh­len (vgl. auch HI­RA­GA, ONO u. YA­MA­DA, 1980):

  1. al­ter­na­tie­ren­­de Ein­tas­tun­­gen (Wech­­sel rech­te Hand - lin­ke Han­d)

  2. Ein­­satz nichtbe­nach­­ba­r­ter Fin­­ger be­vor­­­zu­­gen.

Beim Ein­satz weit aus­ein­an­der­lie­gen­der Fin­ger wird durch den Ein­satz der ho­hen Be­weg­lich­keit des Hand­ge­lenks ei­ne ho­he Ein­tast­ge­schwin­dig­keit er­reicht.

Rich­tungs­ab­hän­gig er­gibt sich ei­ne güns­ti­ge Tast­fol­ge (Ge­schwin­dig­keit) wenn die Fin­ger F2 oder F3 den Aus­gangs­punkt der Be­we­gung dar­stel­len und ei­ne nied­ri­ge­re Ge­schwin­dig­keit. wenn F2 oder F3 das Be­we­gungs­ziel dar­stel­len.

Mit ab­ge­schwäch­ter Ten­denz zei­gen sich die Fin­ger F2 und FS güns­tig für den End­punkt von Be­we­gun­gen (vgl. Tab. 6 )

Fin­ger

Rich­tung

B
>
Z
<

F2

34 %

F3

100 %

0 %

F4

88 %

12 %

F5

36 %

64 %

Tab. 6 : Häufigkeiten höherer (>) bzw. niedriger (<) Bewegungsgeschwindigkeiten bei Bewegungsbeginn (B) von Finger F zu allen anderen Fingern; bzw. bei Bewegungsziel (Z) des Fingers F von allen anderen Fingern kommend

Um die Er­geb­nis­se zur Be­we­gungs­ge­schwin­dig­keit für das Tas­ten­feld zu­sam­men­zu­fas­sen, wur­den den Tas­ten Ko­die­run­gen zu­ge­wie­sen (vgl. Ab­b. 96), die die Tas­ten­rei­he und den zu­ge­ord­ne­ten Fin­ger re­prä­sen­tie­ren. Für je­de Kom­bi­na­ti­on von Rei­he und Fin­ger (ent­spricht Tas­te) läßt sich die Be­we­gungs­ge­schwin­dig­keit von der Tas­te weg und zur Tas­te hin in ei­ne Ran­grei­he ord­nen. Die­se Ran­grei­he (1­-­15) wur­de in die Ta­s­ta­tur­ma­trix ein­ge­tra­gen (Ab­b. 96).

image16 Ab­b. 96: Ran­grei­he der Be­we­gungs­ge­schwin­dig­kei­ten der lin­ken Hand be­zo­gen auf ein nor­mier­tes Tas­ten­feld.

Die schraf­fier­ten Be­rei­che der Ab­b.96 ver­deut­li­chen die ho­hen Be­we­gungs­ge­schwin­dig­kei­ten (Rang­platz 1-­7). Für die Er­geb­nis­se zeigt sich ei­ne ten­den­zi­el­le Über­ein­stim­mung mit den Re­sul­ta­ten von Pan­ton (1976).

Portrait von Hartmut Goebel

Hartmut Goebel

Diplom-Informatiker, CISSP, CSSLP, ISO 27001 Lead Implementer

Haben Sie noch Fragen?
Anruf oder Mail genügt:
  +49 871 6606-318
  +49 175 29 78 072
  h.goebel@goebel-consult.de